Sie haben eine nicht mehr genutzte Domäne und wollen diese löschen. Bisher war das eine spannende Aktion ohne Netz und doppelten Boden. Wenn man dann die falsche Domäne erwischt hatte, war die Verzweiflung groß. Und dieser Fehler passierte nicht nur privaten oder unerfahrenen Domänen-Inhabern. Auch bei Unternehmen passiert dies gelegentlich. Am schwierigsten ist wohl der Fall, wenn ein Dienstleister die Domänen eines seiner Kunden versehentlich gelöscht hat. Oder der Kunde hat sich bei dem Auftrag vertan und die falsche Domäne übermittelt.

Falsche Domäne gelöscht, keine Kommunikation mehr möglich

Die Konsequenzen können besonders für Unternehmen schwerwiegend sein. Der bisherige Domänen-Inhaber kann seine E-Mails nicht mehr empfangen und die Internetpräsenz ist nicht mehr erreichbar. Das heißt zum Beispiel, dass die Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen nicht nur noch über das Telefon stattfinden kann.

Außer einem Image-Schaden für das betroffene Unternehmen kann auch der finanziellen Schaden erheblich sein. Dadurch, dass das Unternehmen nicht mehr im Internet erreichbar ist gehen viele Aufträge und Neukunden verloren. Aber auch Altkunden können durch die verlorene Domäne abhandenkommen. Das Unternehmen wird nicht mehr gefunden, die E-Mails kommen als unzustellbar zurück, also existiert die Firma nicht mehr. Es wird nach einem neuen Lieferanten gesucht.

Wenn jetzt die gelöschte Domäne von einem neuen Inhaber wieder registriert, erhält dieser auch alle E-Mails, die an das Unternehmen gerichtet sind. Es liegen dem neuen Inhaber alle Passwörter, E-Mail-Konten und Zahlungsdaten vor. Ein Unternehmen kann das ruinieren wenn die Domäne in die Hand eines Konkurrenten kommt. Der neue Domain-Inhaber erhält Zugriffe auf die Kunden und Lieferanten und kann sich so ein Bild von einem Wettbewerber machen.

Irrtümlich Domänen-Löschung auch bei großen Unternehmen

Ein bekannterer großer Fall einer irrtümlichen Domain-Löschung, der auch durch die Presse ging, war die Domäne provinzial.de. Dabei hat es einen der großen Versicherungskonzerne mit rund einer Million Kunden getroffen. Die Domäne war zwar nur für ein paar Tage gelöscht aber der Image-Schaden war da. Die Domäne konnte aufgrund der Bedeutung des Unternehmens kurzfristig wieder auf die Versicherung registriert werden. In diesem Zusammenhang wurden noch weitere elementare Versicherungs-Domänen gelöscht. Den entstandenen Schaden hat das Unternehmen nie genannt. Solche Zahlen geben die Unternehmen verständlicherweise nicht an die Öffentlichkeit.

Die redemption-grace -period gTLD's

Üblicherweise kann eine gelöschte Domäne sofort bei erreichen des Kündigungs-Datums wieder registriert werden. Das geschieht meistens auch z. B. durch Domänen-Händler. Dass das auch anders geht zeigt der Registrierungszyklus der so genannten gTLDs (generic Top-Level Domains) wie zum Beispiel .com, .net oder .org. Schon im Jahr 2002 hat die ICANN eine so genannte "redemption-grace -period" (Karenzzeit für Wiederherstellung) diskutiert und kurz danach auch eingeführt.

Das geht dann so vor sich, dass eine gelöschte Domäne erst einmal eine Status-Änderung erhält. In dieser Phase antwortet die Domäne nicht mehr, ganz so, als sei sie gelöscht. Die Inhalte der Website sind dann nicht mehr abrufbar. Wenn der Domänen-Inhaber nun 30 Tage untätig bleibt, ändert sich der Status auf das so genannte "pending-delete". Nach weiteren fünf Tagen wird die Domain dann endgültig gelöscht und die Domäne steht wieder zur Registrierung durch einen neuen Inhaber zur Verfügung.

Die "redemption-grace-period" für .de-Domains

Endlich hat auch die DENIC am 3. Dezember 2013 eine "redemption-grace-period" für .de Domänen eingeführt. Jetzt ist endlich das möglich, was schon seit längerem für gTLDs möglich war. Versehentlich gelöschte .de Domänen können jetzt innerhalb von 30 Tage nach der Löschung vom bisherigen Domänen-Inhaber reaktiviert werden. Erst nach Ablauf dieser 30 Tage Frist wird die Domain am Folgetag unwiderruflich gelöscht und ein neuer Inhaber kann sie registrieren.

Domänen-Inhaber sind jetzt wesentlich besser vor dem unbeabsichtigten Domänen-Verlust geschützt. Wenn Sie eine versehentlich gelöschte .de Domäne innerhalb der 30-Tage-Frist wieder aktivieren wollen, rufen Sie Ihren Provider oder Ihren Dienstleister an. Sie können sich natürlich auch direkt an die DENIC wenden. Die Wiederherstellung einer gelöschten Domäne ist unabhängig vom Provider innerhalb der 30-Tage-Frist möglich. Da das natürlich mit Kosten verbunden ist werden Sie diesen neuen Service nie brauchen. Aber er schafft eine zusätzliche Sicherheit vor dem Verlust einer Domäne.

 

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